Henriks Welt

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Aktuell >> Analyse der HAZ-Vorstellung der Landtagswahlkandidaten

Die Landtagswahl in Niedersachsen am 27.01.08 steht vor der Tür und bildet auch in der Region Hildesheim ein wichtiges tagespolitisches Thema, worüber natürlich auch unsere liebe Tageszeitung, die Hildesheimer Allgemeine Zeitung, berichetet. So fand man in der Ausgabe vom 12.01.08 eine Vorstellung der Direktkandidaten für Hildesheim. Auf der ersten Seite des Hildesheimer Regionalteils entdeckt man jedoch einen einleitenden Artikel, welcher die "Objektivität" der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung doch ein wenig verblassen läßt.

Vorstellung aller Kandidaten
von Hartmut Reichardt

Liebe HAZ-Leser, in der heutigen Ausgabe werden alle Kandidaten vorgestellt, die zur Landtagswahl im Wahlkreis 21 zugelassen sind. Genau das war für die Redaktion die Frage: Sollen wir wirklich alle Kandidaten vorstellen? Also auch die, die nicht in den Landtag einziehen werden? Und was ist mit Kandidaten, deren erklärte Ziele im Widerspruch stehen zum demokratischen Grundverständnis der HAZ-Redaktion?

Die HAZ unter der LupeAn dieser Stelle sei uns eine kurze Unterbrechung gestattet. Woher weiß die HAZ bereits zwei Wochen vor der Wahl welche Partei in den Landtag einziehen wird und welche nicht? Besitzt die Redaktion der Hildesheimer Zeitung vielleicht eine magische Glaskugel? Die würde natürlich die immer brandaktuelle Berichterstattung der Zeitung erklären, wenn sie die Ereignisse im Hildesheimer Land schon im voraus kennt. Oder deckt die Hildesheimer Zeitung an dieser Stelle brandaktuell einen Wahlfälschungs-Skandal auf und verrät uns, daß die Ergebnisse der Wahl in jedem Fall dahingehend korrigiert werden, daß unliebsame Parteien nicht einziehen werden? Das wäre natürlich mal ein starkes Stück, aber dank des investigativen Journalismus der Hildesheimer Lokalredakteure zum Glück entlarvt... wer weiß... Und was bitte ist das "demokratische Grundverständnis" einer Zeitung? Und inwiefern steht welche Partei mit ihren Zielen mit diesem im Widerspruch? Wäre interessant zu wissen, nur bleibt Herr Reichardt uns eine genauere Erklärung leider schuldig.

Nun aber weiter im Programm...

Wir haben uns entschlossen, alle Kandidaten vorzustellen, weil wir finden, dass Sie, die Leser, voll informiert sein sollen, um ihre eigenen Entscheidungen treffen zu können. Man mag das bedauern, aber vor ihren Feinden lässt sich die Demokratie nicht schützen durch die Anwendung undemokratischer Mittel.

Es ist natürlich sehr löblich von der HAZ, daß sie an dieser Stelle keine willkürliche Zensur vornimmt, immerhin ist das in der heutigen politischen Berichterstattung keine Selbstverständlichkeit mehr. Danke HAZ!
Doch dann kommt es wieder dicke. Man mag es bedauern, daß sich nicht mit undemokratischen Mitteln im Kampf gegen vermeintliche Demokratiefeinde vorgehen läßt? Hmm, daß vermittelt uns doch bereits einen ersten Einblick in das bisher nicht näher erläuterte "demokratische Grundverständnis" der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Leider bleiben aber auch hier die Zusammenhänge unklar, da die angeblichen Demokratiefeinde nicht näher benannt werden. Um die NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) kann es sich ja schon dem Namen nach nicht handeln, ebenso wie viele andere Parteien, die die Demokratie bereits groß in ihrem Namen verkünden, CDU-SPD-FDP. Da wird die Auswahl dünn. Bezieht die HAZ sich etwa auf "Bündnis 90/Die Grünen" oder etwa "Die Linke"? Genaueres erfährt man leider nicht.

Bei den NPD-Demonstrationen in Hildesheim wurde die Bevölkerung weitgehend abgeschirmt. Das hatte zwar den Vorteil, dass niemand zu Schaden kam und vor Übergriffen von Nazis geschützt wurde. So blieb die Sicherheit der Stadt gewahrt. Aber ein wirklich eigenes Bild vom Treiben Rechtsradikaler in unserer Stadt konnte sich niemand machen.

Von nicht näher benannten Demokratiefeinden direkt zu NPD-Demonstrationen (die gar keine waren); an inhaltlich sinnvollen Übergängen sollte Herr Reichardt noch ein wenig feilen. Die Polizei mußte demnach also dafür Sorge tragen, daß keine marodierenden "Nazis" prügelnd durch Hildesheims Straßen zogen? Die HAZ scheint sich für ihre Berichterstattung an dieser Stelle nicht sonderlich gut informiert zu haben, schon traurig, wenn man sich sogar auf Demonstrationen innerhalb der eigenen Stadt bezieht.
Ziele nationaler Demonstrationen sind es, die Deutschen auf Mißstände in unserem Land aufmerksam zu machen und gegen solche zu protestieren, nicht die eigenen Landsleute zu verprügeln. Diese Logik sollte eigentlich selbst HAZ-Redakteuren ersichtlich sein. Besonders, da sich die zweite Demonstration im letzten Jahr in Hildesheim gegen Gewalt von Ausländern richtete, da diese Wahlkampfhelfer der NPD tätlich angriffen. Hier werden eindeutig die Tatsachen aufs niederträchtigste verdreht.

Deswegen: Wir drucken in dieser Ausgabe die Aussagen des NPD-Kandidaten, und wir distanzieren uns zugleich davon. Ein Beispiel: Wenn der NPD-Kandidat in seiner Aussage die Koalitionsparteien im Landtag Niedersachsens als „Blockparteien" diffamiert, legt das die Axt an unsere Demokratie an. Denn Blockparteien in der Ex-DDR waren nur Mitläufer der diktatorischen SED-Staatspartei. Politisch spielten sie keine Rolle. Aber lesen Sie selber.

Es verlangt ja auch niemand, daß sich die HAZ die Aussagen der NPD zu eigen macht (im Gegensatz zu denen jeder anderen Partei, wie wir gleich noch sehen werden).
"Axt an unsere Demokratie"? Sollte sie genauso kräftig sein, wie das bisher ersichtliche "demokratische Grundverständnis" der HAZ, so sollte auch eine Astschere genügen.
"Denn Blockparteien in der Ex-DDR waren nur Mitläufer der diktatorischen SED-Staatspartei. Politisch spielten sie keine Rolle." Bei den immer weiter zunehmenden Zuständigkeitsabtretungen nationaler Befügnisse an die EU-Oligarchen ist diese Aussage gar nicht so weit hergeholt, wie so mancher Redakteur das gerne hätte. Aber folgen wir nun der Aufforderung Herrn Reichardts und werfen einen Blick auf den eigentlichen Artikel.

Auf einer Sonderseite stellt die Hildesheimer Allgemeine Zeitung nun sieben der acht Direktkandidaten (einer hatte nicht geantwortet) vor, indem sie die Kandidaten jeweils von ihr begonnene Sätze vervollständigen läßt und die Antworten auf vier weiterführende Fragen abdruckt.
Im großen und ganzen sind die gegeben Antworten recht belanglos und austauschbar, jedoch wollen wir auf einzelne, nennenswerte Antworten genauer eingehen und ein wenig Licht auf die teils verqueren Gedankengänge Hildesheimer Systempolitiker zu werfen.

Die Antworten Hartmut Möllrings (CDU) werden in ihrer Nichtigkeit von keiner der hier vorgestellten Parteien übertroffen. Unser Land wird als Wirtschaftsstandort und als Ort für Freizeitspaß reduziert, man ärgert sich über ungelöste Sudoku-Rätsel und hat Angst vorm Zahnarzt. Die USA sind lediglich ein "wichtiger" Handelspartner, von Kriegstreiberei kein Wort.

Nicht ganz so ohne Inhalt sind die Aussagen Jutta Rübkes (SPD), beweist diese sich jedoch als ewiggestrig, da sie die USA mal wieder als Befreier feiert, auch hier von aktueller kriegerischer Tagespolitik keine Rede. Zudem ist man doch tatsächlich der Meinung, die USA haben uns Demokratie gelehrt, anscheinend hört hier die Kenntnis über die deutsche Geschichte mit dem Jahr 1933 auf und man hat von der, wesentlich direkteren und dadurch demokratischeren, Weimarer Republik noch nie etwas gehört.

Auf die Spitze treibt es Ulrich Räbiger (Grüne/Bündnis 90) in dem er Churchill als politisches Vorbild nennt und direkt danach in Bezug auf "kein politisches Vorbild" meint, die Liste der Diktatoren und Menschenschlächter sei unendlich lang. Merkwürdig nur, daß er zuvor einen aus dieser langen Liste als eigenes Vorbild benennt. Zur genaueren Erläuterung lassen wir Churchill selbst sprechen:

Bei Dr. Martin Gottschlich (FDP) muß mal positiv hervorgehoben werden, daß seine Geschichtskenntnis noch soweit reicht, als daß er die Zusammenhänge SED -> PDS -> LINKE noch nicht völlig vergessen hat, was allgemein heutzutage ja gerne weit in den Hintergrund rutscht.

Kommen wir abschließend nun noch auf Dieter Riefling (NPD) zu sprechen. Als erstes fällt einem schon der Unterschied in der Überschrift auf, da bei ihm als einzigem die Überschrift in Anführungszeichen als Zitat gesetzt wird, womit die HAZ die Aussagen in den Überschriften der anderen Kandidaten quasi als eigene Aussage bzw. Meinung setzt und sich zu eigen macht.
Als nächstes besitzt Herr Riefling "keine Religion", wohingegen alle anderen Bewerber lediglich "konfessionslos" sind, was doch gleich weniger "gottlos" klingt, ein Schelm der böses dabei denkt. Abschließend sei noch zu sagen, daß Herr Riefling der Meinung ist, Frauen seien in unserer Gesellschafft noch viel zu sehr benachteiligt, aber von dieser Aussage distanziert sich die HAZ natürlich.

Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung, den 12.01.2008

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