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Aufstand Am 17. Juni 1953 erhoben sich bisher zum letzten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte deutsche Arbeiter gegen eine geistig und physische Helotenpolitik "deutsch-demokratischer" Kollaborateure. Nur die Gleichgültigkeit westdeutscher "Besatzerknechte" im Vorfeld wie auch im aktuellen Geschehen konnte zu diesem deutschen Fanal führen. Bereits im Vorfeld entschied sich das notwendige Kommen eines Volksaufstandes in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).

Am 10. März 1952 bot Stalin der Regierung der BRD als Reaktion auf den Antisowjetkommunistischen Vorschlag einer "Europäischen Verteidigungsgemeinschaft" (EVG) in seiner Stalin-Note die Beseitigung der innerdeutschen Grenzen, den Abzug aller in Deutschland stationierter Besatzungstruppen (auch der Westalliierten), eine eigene demokratische Regierung ohne Einflußnahme ausländischer Staaten und die soziale Gleichrangigkeit von Nationalsozialisten und ehemals Angehörigen der deutschen Armeen sowie den Aufbau einer eigenen deutschen Armee. Deutschland hätte allerdings Punkt 7 in der Note vom 10. März 1952 befolgen müssen, in dem es heißt: "Deutschland verpflichtet sich keinerlei Koalitionen oder Militärbündnisse einzugehen, die sich gegen irgendeinen Staat richten, der mit seinen Streitkräften am Kriegen gegen Deutschland teilgenommen hat."

AufstandMit diesem Angebot währen alle Hauptforderungen des deutschen Volkes erfüllt gewesen. Die Voraussetzungen für den 17. Juni, nämlich die Sowjetische Okkupation, die Teilung Deutschlands sowie die Herrschaft der Gruppe Ulbricht, wären beseitigt gewesen, aber auch weltpolitische Folgen hätten sich ergeben, der "Eiserne Vorhang" hätte vermutlich nie in dem Maße existieren können, da es keine klare Grenze zwischen Kommunismus und Kapitalismus (geographisch gesehen) gegeben hätte, da dazwischen das "Niemandsland" Deutschland gelegen hätte. Auf dieser Basis wären Verhandlungen zwischen den beiden Großmächten eventuell fruchtbar gewesen.

Der erste, damals amtierende Bundeskanzler der BRD, Konrad Adenauer, tat den Vorschlag der Sowjets ohne weitere Prüfung der Ernsthaftigkeit ab und nahm so die dauerhafte Teilung und Helotenschaft Deutschlands in Kauf, um "sein Reich", die BRD, in den westlichen Liberal-Kapitalismus einzugliedern. Zu diesen genannten Grundvoraussetzungen für einen deutschen Volksaufstand kamen allgemein- und tagespolitische Maßnahmen der DDR-Ulbricht-Regierung wie die mangelnde Rohstoffversorgung der Schwerindustrie, Repressalien gegen politische Gegner und die Ausbeutung der Arbeitskräfte durch Leistungs- und Preiserhöhungen.

AufstandBereits zwischen dem 11. Und 15. Juni flammten in rund 60 Industriestädten Streiks auf, die Zahl der Streikenden wurde auf fast 400.000 geschätzt. Zum endgültigen Bruch zwischen Regierung und Arbeitern kam es aber erst mit der 10%-tigen Normenerhöhung vom 16. Juni, die Arbeiter der Stalinallee formierten sich spontan zu einem Protestzug Richtung Regierungsgebäude, welchem sich haufenweise Arbeiter anschlossen, sie sind somit mehr oder minder die Urheber des Aufstandes. Das waffenlose Arbeiterheer des 17. Juni demonstrierte den Haß auf die Unterdrücker durch das Zerstören von Partei- und Propagandabüros der SED, zahlreiche HO-Läden und SED-Gebäude wurden gestürmt und in Brand gesteckt, als Zeichen der Solidarität wurden politische Häftlinge aus den Strafanstalten befreit. Bis auf den inneren Zusammenbruch der UDSSR in den achtziger Jahren waren wir an diesen Tagen der Wiedervereinigung der deutschen Teilstaaten wohl am nähesten, da auch an diesen Tagen durch den Tod Stalins am 5. März 1953 innerparteiliche Streitereien von "Putschisten" wie Lawrentij Berija geschürt worden.

AufstandIn ganz Mitteldeutschland bestimmten streikende und demonstrierende Arbeiter das Bild ihrer Städte. Erst am Nachmittag rückten sowjetische Truppen und Panzer aus, um in Verbindung mit der örtlichen Volkspolizei den Aufstand niederzuschlagen. Laut Augenzeugen verhielten sich die sowjetischen Soldaten wesentlich zurückhaltender als die Ulbricht-Vopos, 18 Sowjets wurden erschossen, da sie auf kein friedliches Arbeiterheer schießen wollten. Der größte Teil der Vopos ging dafür mit doppelter Härte gegen die Demonstranten vor, nur ein kleiner Teil von ihnen legte die Waffen nieder und solidarisierte sich mit den Aufständischen. Gegen Abend war der Aufstand gewaltsam niedergeschlagen, nur in einzelnen Regionen wurde noch mehrere Tage gestreikt, die Folge war für das deutsche Volk in Mitteldeutschland eine Reihe Gefallener, Todesurteile, unzählige langjährige Haftstrafen und eine noch stärkere Kontrolle durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und Okkupationsgeheimdienste.

Die Beweggründe für diese Revolution (Revolution = Aufopferungsbereitschaft der Massen und schnelle Verzehnfachung der Demonstrierenden laut Lenin; das war am 17. Juni 1953 der Fall) sind klar. In erster Linie wollte "die mitteldeutsche Arbeiterschaft frei sein, frei in doppelter Hinsicht: sozial und national." (W. Strauss: Aufstand für Deutschland). Die weiteren Forderungsausführungen artikulierten die Arbeiter in Flugblättern und offenen Forderungen, in denen es unter anderem heißt: "Der Streik ist das gewerkschaftliche Kampfmittel zur Durchsetzung berechtigter Forderungen. Wir fordern: 1. Volle Sicherheit für die Sprecher des Streiks. 2. Freie Rede und Pressefreiheit. 3. Weg mit den Normen. 4. Einen Lohne, der den Preisen in der DDR entspricht, Revidierung des gesamten Preisniveaus für Lebensmittel- und Gebrauchsgüter. 5. Freie Wahlen für ganz Deutschland. 6. Weg mit den Zonengrenzen. 7. Abzug aller Besatzungstruppen. 8. Weg mit der kasernierten Volkspolizei. 9. Sofortige Wiedereinführung der 75 prozentigen Ermäßigung bei Arbeiterrückfahrkarten. 10. Freilassung aller politischer Häftlinge, auch die zu strafen über 3 Jahren verurteilt wurden. 11. Rückführung sämtlicher Kriegsgefangener. 12. Fortfall der Volkskontrollen. - Das Streikkommitee der Baustelle." (Streikbeschluß des Streikkommitees einer Baustelle an der Stalinallee am 17. Juni 1953).

Arbeiter und Bauern der mitteldeutschen Länder erschütterten mit ihrem Aufstand die Grundfesten jener sogenannten "Arbeiter- und Bauernrepublik". Kein Wunder, daß die herrschende politische Klasse der DDR ihre "Zöglinge" nicht verstand, oder nicht verstehen wollte, sie waren ja "intellektuelle Theoretiker" und die Forderung nach dem sogenannten Dritten Weg der Arbeiter hätte sie auch die Position gekostet. Nur ganz wenige der intellektuellen- und kulturellen Schicht der DDR marschierten am 17. Juni 1953 in den Reihen der wirklichen Sozialisten, der Arbeiter mit. Die meisten "großen Gesellschaftskritiker" wie Bertolt Brecht wohnten in durch Steuergelder finanzierten Nobelabsteigen und ließen es sich gut gehen, mit ihren durch Konformismus geschaffenen Privilegien.

AufstandNiemand half ihnen, selbst die arbeiterfreundliche, damals wesentlich radikalere und nationalere westdeutsche Sozialdemokratie ließ das Volk im Stich. Von den Westalliierten so angeordnet wurde der Streik nicht gefördert, jedes Zeichen der Solidarität von westdeutscher Seite nach Möglichkeit unterdrückt. So wurde dem Berliner Bürgermeister Reuter, welcher sich zur Zeit des Geschehen in Wien aufhielt, die Möglichkeit, frühzeitig nach Berlin zu reisen, nicht eingeräumt, die Solidarisierung und der Aufruf zu Streiks in der SBZ über das Berliner Besatzerradio RIAS wurde verweigert. Der Versuch, Verhandlungen mit Sowjetrußland aufzunehmen, wurde nicht unternommen, aber auch die passive Art des Widerstandes wie z.B. spontane Großstreiks in der BRD zur Bekundung des Einigungswillens des deutschen Volkes wurden von den Bonner Politikern nicht bedacht.

AufstandWolfgang Strauss sagt zusammenfassend zu den Ereignissen des 17. Juni 1953: "Opfermut und Kampffanatismus gepaart mit beispielloser Todesbereitschaft, zeigten die deutschen Arbeiter am 17. Juni. Im Kugelhagel der Sowjets und Vopos stürmten sie Gefängnisse und befreiten politische Häftlinge, sprangen mit Brechstangen auf Panzer. (...)Und so war es am 17. Juni: Volksmoral gegen Besatzerpanzer, Proletarismus gegen Polizistenwut, Tapferkeit der Ausgebeuteten gegen Bajonette der Fremdherrschaft, Patriotenliebe gegen den Volkshaß der Diktatoren (...) Deutschlands patriotische Juni-Revolutionäre dachten, fühlten als undogmatische Sozialisten. Volkseigentum, Arbeiterselbstverwaltung, klassenlose Menschengemeinschaft, nationale Solidarität - das war Inhalt eines moralisch nicht "wissenschaftlich" begründeten Sozialismus. Ein Sozialismus deutscher Art, deutscher Tradition, deutscher Mentalität, deutscher Zielsetzung."

Der Volksaufstand des 17. Juni 1953 wurde gegen Abend niedergeschlagen. Der revolutionäre Freiheitswille des Deutschen Volkes jedoch blieb bestehen. Auch heute, 50 Jahre danach, sind immer noch nicht alle Besatzertruppen aus unserem Land abgezogen. Die USA benutzen unser Land als logistische Plattform für ihre weltweite kriegerische Unterdrückungspolitik. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und dem Abzug der Russen müssen nun auch die Amerikaner endlich gehen. Diese Forderung steht im Raume und wird von uns künftig noch stärker öffentlich thematisiert. Der Einfluß der amerikanischen Besatzer, die das Blutvergießen vom 17.Juni 1953 mitzuverantworten haben, muß auf allen Ebenen zurückgedrängt werden.

Quelle: Text mit freundlicher Genehmigung des Widerstandnord


Im Gedenken der Toten des 17. Juni 1953

Unvergessen!


B e r l i n


Horst Bernhagen, 21 Jahre, Fernmeldemonteur
Edgar Krawetzke, 20 Jahre, arbeitslos
Rudi Schwander, 14 Jahre, Schüler
Werner Sendsitzky, 16 Jahre, Laufbursche in einer Motorradvermietung
Gerhard Schulze, 41 Jahre, arbeitslos, Vater von zwei Kindern
Dr. Oskar Pohl, 25 Jahre, Philosoph, Austauschhörer
Gerhard Santura, 19 Jahre, Elektroinstallateur
Willi Göttling, 35 Jahre, Maler, arbeitslos, Vater von zwei Töchtern
Rudolf Berger, 40 Jahre, Diplom-Kaufmann
Erich Nast, 40 Jahre, Gärtner, Vater einer Tochter
Richard Kugler, 25 Jahre, Dachdeckerlehrling
Kurt Heinrich, 44 Jahre, Arbeiter
Hans Rudeck, 52 Jahre, Bauingenieur
Wolfgang Röhling, 15 Jahre, Schüler


B e z i r k D r e s d e n


Alfred Wagenknecht, 43 Jahre, Fuhrunternehmer, Vater von fünf Kindern
Oskar Jurke, 57 Jahre, Friedhofswärter


B e z i r k G e r a


Alfred Diener, 26 Jahre, Autoschlosser, Vater eines Sohnes
Alfred Walter, 33 Jahre, Bäcker, Vater eines Sohnes
Horst Walde, 27 Jahre, "Fertigputzer", Vater von vier Kindern


B e z i r k H a l l e


Kurt Crato, 42 Jahre, Tischler, Vater eines Sohnes
Gerhard Schmidt, 26 Jahre, Doktorand der Landwirtschaft
Manfred Stoye, 21 Jahre, Kesselschmied
Rudolf Krause, 23 Jahre, Rundfunkmechaniker
Edmund Ewald, 25 Jahre, Angestellter
Horst Keil, 18 Jahre, Malerlehrling
Karl Ruhnke, 61 Jahre, Beamter
Margot Hirsch, 19 Jahre, Verkäuferin
"Erna Dorn"
Hermann Stieler, 33 Jahre, Zimmermann, Vater von drei Kindern
Paul Othma, 63 Jahre, Elektromonteur
Kurt Arndt, 38 Jahre, Bergmann, Vater von vier Kindern
Adolf Grattenauer, 52 Jahre, Landwirt
Erich Langlitz, 51 Jahre, Kraftfahrer
August Hanke, 52 Jahre, Arbeiter in einer Brikettfabrik


B e z i r k L e i p z i g


Dieter Teich, 19 Jahre, Gießereifacharbeiter
Elisabeth Bröcker, 64 Jahre, Rentnerin
Paul Ochsenbauer, 15 Jahre, Schlosserlehrling
Johannes Köhler, 44 Jahre, Uhrmacher
Eberhard von Cancrin, 42 Jahre, Mühlenwärter, Vater von zwei Kindern
Erich Kunze, 28 Jahre, Volkspolizist, Vater von fünf Kindern
Herbert Kaiser, 40 Jahre, Transportarbeiter, Vater von vier Kindern
Gerhard Dubielzig, 19 Jahre, Schlosser
Joachim Bauer, 20 Jahre, Maurer


B e z i r k M a g d e b u r g


Johann Waldbach, 33 Jahre, Mitarbeiter des MfS, Vater eines Sohnes
Gerhard Händler, 24 Jahre, Volkspolizist, Vater von drei Kindern
Georg Gaidzik, 32 Jahre, Volkspolizist
Dora Borchmann, 16 Jahre
Kurt Fritsch, 47 Jahre, Arbeiter im Schwermaschinenkombinat, Vater von fünf Kindern
Horst Pritz, 17 Jahre, Dreher
Herbert Stauch, 35 Jahre, Müllermeister, Vater von zwei Kindern
Alfred Dartsch, 42 Jahre, Maler
Ernst Jennrich, 42 Jahre, Gärtner, Vater von vier Kindern
Ernst Grobe, 49 Jahre, Landwirt


B e z i r k P o t s d a m

Wilhelm Hagedorn, 58 Jahre, Werkschutzleiter


Deutsche

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