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Gedenken >> Bombenüberfall auf Hildesheim - 22.03.1945
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Hildesheim trauert um seine Toten - Bombenüberfall auf Hildesheim

Am 22. März 1945 wurde der größte Luftangriff des 2. Weltkrieges gegen die Stadt Hildesheim geflogen. Die größte Zahl der Toten in der Zivilbevölkerung stellten Greise, Frauen und Kinder. Angesichts dieser Opfer kann man die berechtigte Frage stellen, ob dieser vernichtende Angriff vom 22. März, anderthalb Monate vor dem Kriegsende, tatsächlich militärischen Zielen gegolten hat.

Alt-HildesheimUnter dem Operationsnamen „Finnock“ erhielten am 21. März 1945 britische und kanadische Bomberverbände den Angriffsbefehl auf Hildesheim vom Stab des englischen Luftmarschalls Sir Arthur Harris. So wurden 246 Bomber und deren Jagdschutz mit 624 Tonnen Brandbomben und Zielmarkierungen und zusätzlich 438,8 Tonnen Minen und Sprengbomben ausgestattet.

Alt-HildesheimZu diesem Zeitpunkt gab es viele Hildesheimer, die darauf hofften, daß ihre Stadt kein Opfer des Bombenkriegs werden würde, da es hier kaum ein kriegswichtiges Ziel zu treffen gab. Und daß Hildesheim kein militärisches Ziel abgegeben hat, gilt heute als bewiesen. Weder wurde die Bahnline zu diesem Zeitpunkt nennenswert genutzt, und die stationierten SS-Einheiten in dem Angriffsplan aufgeführt, noch wurde der Flugplatz erwähnt, der auch bei dem Angriff unbeschadet blieb. Die großen Industriewerke im Hildesheimer Wald waren ebenfalls nicht Ziel dieses Angriffes.

Alt-HildesheimAm Vormittag des 22. März 1945 schlug der deutsche Luftschutz Alarm, so daß viele Menschen in umliegende Wälder und Stollen flüchteten. Da jedoch später eine Vorentwarnung gegeben wurde, waren die meisten Hildesheimer bereits wieder auf dem Weg nach Hause oder schon dort angekommen. Um so überraschter waren die Menschen, als gegen 13 Uhr Vollalarm gegeben wurde. Zunächst zeigten sich am Himmel die Zielmarkierungen, wegen ihrer Form im Volksmund auch „Christbaum“ genannt. Um 13:23 Uhr fielen die ersten Bomben aus den Flugzeugschächten auf Hildesheim. Die Sprengbomben rissen die Häuser und Straßen auf und machten diese für Feuerwehrfahrzeuge unpassierbar. Dann entfachten weit über 300.000 Brandbomben einen Feuersturm in den engen Gassen zwischen den Fachwerkhäusern der Hildesheimer Innenstadt. Zerstörtes Hildesheim Zwar wird dieser wegen der geringeren Fläche nicht so stark wie jener in Hamburg, Nürnberg oder Dresden gewesen sein, er reichte jedoch aus, um den Hildesheimern die zum Schutz um die Schultern geschlungenen Decken fortzureißen, und schwere Eisentore hin und her zu werfen. Wer nicht erschlagen, zerissen oder verbrannt wurde mußte qualvoll ersticken. In dem nur 13 Minuten andauernden Angriff mußten mindestens 1006 Menschen ihr Leben lassen, und das weltberühmte, jahrhundertealte Kulturerbe wurde fast vollkommen und unwiederbringlich vernichtet.

Selbst einige der allierten Bomberpiloten schämten sich für diesen verbrecherischen Angriff auf unsere Stadt. So sagt der Amerikaner James W. Corson, welcher am 4. November 1944 nach einem Abschuß bei Hildesheim abspringen mußte und in Gefangenschaft geriet, daß er froh sei, schon beim zweiten Feindflug aussteigen zu müssen, um nicht mehr Schaden anzurichten zu können. Weiter meint Corson, den jungen Amerikanern sei weisgemacht worden, daß sie nur militärische Ziele angreifen würden, und daß der Zivilbevölkerung nichts geschehe.

Zerstörtes HildesheimSo ist es sogar möglich, daß die Kanadier unter dem britischen Kommando bewußt getäuscht wurden, wie die Tagesthemen vom 08. August 1994 berichteten. Sie wußten nicht, welches Ziel sie wirklich angriffen. Man täuschte militärische Ziele vor, und statt über wehrfähigen Männern, luden sie ihre tödliche Fracht über Kindern, Frauen und Greisen ab. Selbst die Soldaten lagen in Hildesheim nicht in Stellung, sondern als Kranke und Verwundete in Lazeretten.

Zerstörtes HildesheimAus dem Stab des Befehlsgebenden „Bomber Harris“ heißt es eindeutig: „To destroy built up Area with associated Industries and Railway Facilities.“ Unter „build up Area“ sind eindeutig die bewohnten Gebiete der Stadt zu verstehen. Die erwähnten Industrieanlagen sind möglicherweise nur zur Tarnung erwähnt, da die eigenen Leute Skrupel hatten, gezielte Angriffe gegen die Zivilbevölkerung zu führen.

In den Bombenangriffen auf unsere Stadt wurden im 2. Weltkrieg mindestens 1650 Menschen getötet. Darunter waren 1250 Einheimische, 100 Opfer der Wehrmacht in Straßen, Kellern oder Lazeretten, 146 ausländische Arbeiter, mindestens 170 Kinder, davon 68 unter sechs und 79 unter vierzehn Jahren und 34 unbekannten Alters. Zudem sind 349 Menschen über fünfundsechzig, davon 204 Frauen gestorben.

Die Stadt Hildesheim konnte manches kulturelle Erbe wiedererrichten, jedoch wird Hildesheim wohl nie wieder seine Schönheit und den alten Glanz erreichen können.

Quellen:

Am 60. Jahrestag des Bombenterrors über Hildesheim haben Bürger Transparente als Mahnung aufgehängt. Dankenswerter Weise schickte uns ein Anwohner ein Bild dieser Aktion.

Gedenkplakat
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