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Sagen >> Brunnentrog im Beelter Felde
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Brauchtum | >>Sagen<< | Hildesheim vor der Zerstörung

Zwischen den Dörfern Giesen und Emmerke lag bis auf die Zeit des dreißigjährigen Krieges das Dorf Beelte. Da brachen brennend und sengend die wilden Schaaren des Feindes ins Land und stürzten sich raubgierig auf das reiche Dorf, über welchem sie bald den roten Hahn hinfliegen ließen. Die unglücklichen Einwohner suchten zu löschen und eilten nach dem Hofe des Bauermeisters, wo der einzige Brunnen des Dorfes sein Wasser in einen steinernen Trog ergoss.

Die grausamen Soldaten aber hatten sich am Brunnen aufgestellt, verhinderten die Leute am Wasserschöpfen und erschlugen den Bauermeister, als dieser die Bösewichter bei Gott und allen Heiligen mahnte, von ihrem bösen Tun abzulassen. Doch gleich darauf ereilte sie die Strafe, denn kaum hatte sich das Blut des Erschlagenen mit dem Wasser des Brunnens gemischt, als dieser wild aufwallte und einen wütenden Strom blutigen Wassers über die Mörder ergoss. Nichts konnte dem Strom widerstehen, er fegte die ganze Kriegerschaar vor sich her und überwallte sie so lange mit seinen blutigen Wogen, bis alle den verdienten Tod gefunden hatten.

Das Dorf brannte nieder und es blieb keine Spur von ihm als der steinerne Brunnentrog. Die dem Tode entgangenen Bewohner siedelten sich in den Nachbardörfern Giesen und Emmerke an und bebauten von da an das „Beelter Feld". Länger als ein Jahrhundert schon hatte der Brunnentrog als ein Wahrzeichen auf der blutgetränkten Stätte im Beelter Felde gestanden, als ein Bauer in Emmerke dachte: was soll der Trog da im freien Felde stehen, den kannst du dir zu einer Viehtränke auf den Hof holen, denn es ist herrenloses Gut.

Gedacht, getan. Der Bauer macht sich an einem Wintertage mit seinen Knechten auf und fuhr den durch ein Wunder geheiligten Trog auf seinen Hof. Dort hat er aber nicht lange gestanden, denn kaum hatte Nachts um Zwölf die Uhr zum Schlagen ausgehoben, als ein Lärm durch Haus und Hof tobte, als ob die wilde Jagd hindurchzog.

Die Pferde wollen die Wände einschlagen, die Kühe die Ketten zerreißen und selbst die Hühner auf dem Wimen flattern und gackern, als ob der „Ilk" dazwischen gefahren wäre; und so wie in dieser Nacht, ging's auch während der folgenden. Da merkte der Bauer wohl, dass er Unrecht getan hatte, sich an dem Wahrzeichen zu vergreifen, lud den Trog wieder auf und brachte ihn wieder an seinen alten Platz. Seitdem hatte der Bauer Ruhe im Hause. Und wieder verging ein Jahrhundert ohne dass sich Jemand an dem Troge vergriff, bis endlich die alles umkehrende neue Zeit mit ihren Verkoppelungen und ihren Geometern kam diese meinten, der Trog stände da nur unnütz im Wege, ließen ihn zerschlagen und zur Wegbesserung verwenden.

Quelle: Karl Seifart; Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim: Gesammelt u. mit Anmerkungen versehen, Band 2; Verlag Wigand, 1860; mit kleinen Änderungen zur besseren Lesbarkeit seitens der BfZ-Hildesheim; Bildquelle: Flickr/ponte1112

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