Henriks Welt

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Sagen >> Das beherzte Mädchen
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Brauchtum | >>Sagen<< | Hildesheim vor der Zerstörung

In einer Spinnstube auf einem Dorfe bei Hildesheim kam unter den versammelten Burschen und Mädchen die Rede auf „Dreistigkeit", und einer meinte, so dreist sei wohl Niemand, dass er jetzt zur Nachtzeit es wage, allein in die Kirche oder in den Kirchturm zu gehen. Da sagte eine junge, hübsche Cantormagd, das wäre ihr nur ein Spaß; wenn man wetten wolle, so würde sie sogleich auf den Kirchturm gehen und zum Wahrzeichen, dass sie oben sei, dreimal mit der Glocke anschlagen.

Das ging man ein und wettete ein Fass Bier.

Das Mädchen macht sich mit einer Laterne und mit dem Schlüssel auf den Weg, besteigt den Turm und bald hört man richtig die verabredeten drei Glockenschläge. Lange aber dauerte es auch nicht, so stürzt die Cantormagd bleich und blutend ins Haus und bricht auf der Schwelle ohnmächtig zusammen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht und zu Bett gebracht war, konnte sie nur mit schwacher Stimme erzählen, dass beim Hinaufgehen und Hinuntergehen alles gut gegangen sei, als sie aber eben wieder die Turmtür in der Hand gehabt hätte, um ins Freie zu treten, habe sie noch einmal hinter sich geblickt und einen großen schwarzen Hund mit feurigen Augen gesehen, dann sei die Tür hinter ihr rasch und fest zugefallen und habe ihr vom linken Fuß den Hacken (die Ferse) weg geschlagen. Weiter sprach die Magd nichts mehr und starb am dritten Tage nachher. Das verwettete Fass Bier wurde bei ihrem Begräbnis ausgetrunken. Man soll nicht vermessen sein.

Quelle: Karl Seifart; Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim: Gesammelt u. mit Anmerkungen versehen, Band 2; Verlag Wigand, 1860; mit kleinen Änderungen zur besseren Lesbarkeit seitens der BfZ-Hildesheim; Bildquelle: Flickr/Sebastian Niedlich(Grabthar)

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