Henriks Welt

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Sagen >> „Dat is de Garen mate"
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Elle Am Rathaus in Hildesheim finden sich auf der Seite zur Marktstraße hin die Worte eingehauen: „Dat is de Garen mate." Daran hat ein geiziger Kaufmann Schuld, der einen großen Garnhandel hatte und die Leute übervorteilte. Kaufte er den armen Leuten ab, so konnte er das Maß nicht groß genug kriegen, verkaufte er aber, so verkürzte er das richtige Maß. Als dieser Kaufmann gestorben war, trat er seiner erschrockenen Frau Nachts vor das Bett, klagte und jammerte, daß er so viel Pein in der Hölle leiden müsse, weil er immer unrichtig gemessen habe und warf eine eiserne Elle mit den Worten auf den Tisch: „Dat is de Garen Mate." Dann ermahnte er die Frau, doch ja nach diesem richtigen Maße immer zu kaufen und zu verkaufen, damit es ihr dereinst nicht gehe wie ihm. Darauf verschwand der Mann und die Frau fand vor Schrecken beinahe den Tod. Am andern Morgen fiel ihr erster Blick auf den Tisch, auf welchen ihr unseliger Mann die Elle geworfen hatte. Aber es war keine Elle zu sehen, statt dessen sah die Kaufmannsfrau eine ellenlange Ritze im Tische, als ob sie hineingebrannt wäre; dieselbe Ritze ging auch unterm Tische durch den Fußboden und durch alle Decken des Hauses bis auf die Diele, wo sie so tief eingebrannt war, daß man den Grund nicht sehen und auch mit dem längsten Stocke nicht fühlen konnte. Die Frau konnte in ihrer Seelenangst die Geschichte nicht verschweigen und als der Magistrat die Sache erfuhr, ließ er von einem Ratsdiener die Länge der eingebrannten Ritzen messen und diese stimmte genau mit dem gebräuchlichen, richtigen Garnmaß überein. Da ließ der Magistrat, zur ewigen Warnung, jene Worte in einen Stein der Rathausmauer hauen.

Quelle: Karl Seifart; Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim; Verlag Wigand, 1854; mit kleinen Änderungen zur besseren Lesbarkeit seitens der BfZ-Hildesheim

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