Henriks Welt

Gästebuch

Sagen >> Dreibeiniger Hase
Einleitung | Sehenswürdigkeiten | Daten & Fakten
Brauchtum | >>Sagen<< | Hildesheim vor der Zerstörung

Hase Vor dem Goschentore lag vor alten Zeiten ein Dorf, das hieß Hohensen. Dies Dorf ist „untergegangen", doch nennt man noch heute die Gegend, wo es gestanden hat, Hohensen, und viele Leute haben dort ihre „Kampstücke" (Gemüsegarten). Wenn am Sonntag des Morgens alles so recht still ist, hört der Schweinehirte oft noch die Kirchenglocken tief unten in der Erde läuten, auch will er darauf schwören, daß er einmal die Orgel hörte, als er das Ohr auf die Erde gelegt hatte. — Soviel ist gewiß, in Hohensen ist's nicht richtig, und jeder, der dort ein Kampstück hat, kann am anderen Morgen die Spuren von dem Dreibein eingedrückt sehen. Einige sagen, das Dreibein sei ein dreibeiniger Esel, der gehe zwischen Zwölf und Eins in Hohensen und dann in die Stadt bis in die kleine Gasse an der St. Annenkirche* im Poggenhagen. Das Dreibein ist aber kein Esel, sondern ein dreibeiniger Hase; man muß sich nur überzeugen und die Spuren genau anschauen. Doch mag uns der liebe Gott davor bewahren, daß wir den Hasen selbst sehen, denn es ist dem noch nie gut gegangen, dem das Dreibein begegnet ist. Wer deshalb des Nachts in Hohensen nichts zu tun hat, bleibe da weg. — Auch auf der Steingrube ging sonst ein dreibeiniger, mit Ketten rasselnder Hund von der Judengasse bis zum Rabenstein, wo er verschwand. Dreibeinige, feurige Pferde standen Nachts in der Judengasse an der Steingrube und ließen Niemanden durch.

*) Diese Kirche ist vor einigen zwanzig Jahren weggebrochen (Ergänzung aus dem Original).

Quelle: Karl Seifart; Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim: Gesammelt u. mit Anmerkungen versehen, Band 2; Verlag Wigand, 1860; mit kleinen Änderungen zur besseren Lesbarkeit seitens der BfZ-Hildesheim; Bildquelle: flickr/CoreForce

© Bürgerinitiative für Zivilcourage Hildesheim | Impressum | Haftungsausschluß