

Am Vormittag des 05. Novembers 2010 verstarb Hajo Herrmann im hohen Alter von 97 Jahren. In den Jahren von 1933 bis 1935 diente Hajo Herrmann bei der Infanterie der Reichswehr und wechselte anschließend zur Luftwaffe der Wehrmacht. Von 1936 bis 1937 wurde er im spanischen Bürgerkrieg als Bomberpilot und als Inspekteur der Flak-Waffe eingesetzt. Während des 2. Weltkrieges flog er Einsätze nach dem Polenfeldzug, im Luftkrieg gegen Großbritannien, darunter auch in der Luftschlacht um London, er flog gegen Malta und wurde neben zahlreichen weiteren Einsätzen auch in der Schiffsbekämpfung eingesetzt.
Berühmt wurde Hajo Herrmann mit Erfindung des Jagdgeschwaders 300 „Wilde Sau”, auch Wilde-Sau-Nachtjagdverfahren genannt. Nach den schweren Bombardements auf deutsche Städte und der schwindenden Kraft deutscher Nachtjäger, bedingt durch die Störung ihrer Funkmessgeräte durch die Briten fand Hajo Herrmann eine unkonventionelle Antwort. Beim Verfahren „Wilde Sau“ kamen Tagjäger auch in der Nacht zum Einsatz. Die Flakartillerie verschoss an Fallschirmen hängende Leuchtgranaten, die Jäger warfen ebensolche Leuchtbomben ab; gleichzeitig erhellten Brände am Boden und leuchtende Zielmarkierungen „Christbäume“ den Luftraum. Scheinwerferbatterien, die sowohl in den Abwehrriegeln vor den Städten als auch in den Städten selbst installiert waren, leuchteten vorhandene Wolken an. Auf dieser „Mattscheibe“ zeichneten sich dann die Silhouetten der angreifenden Bomber ab. Die Jäger konnten angreifen. Im selben Zeitraum stellte die Flakartillerie das Feuer ein, um die Jäger nicht zu gefährden. Hajo Herrmann machte die Abwehr alliierter Nachtbomberangriffe effizienter.
Er stieg zum Geschwaderkommodore und Divisionskommandeur auf und hatte zuletzt den Rang eines Oberst inne. Er galt als Vertrauter von Hermann Göring, der ihn aufgrund seiner organisatorischen Fähigkeiten mit Sonderaufgaben in der Reichsverteidigung betraute. Gegen Ende des Krieges war Hajo Herrmann Mitbegründer der sogenannten „Rammjäger”, die im April 1945 in den Kriegseinsatz geschickt wurden. Er kam im Verlauf des Krieges auf 370 Feindflüge, wobei er selbst vier Mal abgeschossen wurde.
Hajo Herrmann war einer der letzten lebenden Ordensträger der Luftwaffe. Er erhielt für seine Verdienste während des Krieges folgende Auszeichnungen:
Bei dem Versuch Kameraden vor der sowjetischen Gefangenschaft zu retten wurde er selbst gefangen genommen und in sowjetischen Konzentrationslagern interniert. Als Spätheimkehrer wurde er erst am 12. Oktober 1955 in die Heimat entlassen.
Er nahm ein Studium der Rechtswissenschaften auf und heiratete 1959 die Sängerin und Hochschullehrerin Ingeborg Reichelt, mit der er zwei Kinder bekam. 1965 ließ er sich in Düsseldorf als Rechtsanwalt nieder und verteidigte unter anderem bekannte nationale Sozialisten. Bis zu seinem Tod blieb er ein Kämpfer für Deutschland und engagierte sich als Redner für rechte Parteien. Er verfasste die Bücher „Bewegtes Leben - Kampf- und Jagdflieger 1935 – 1945“, „Als die Jagd zu Ende war - Mein Flug in die sowjetische Gefangenschaft“, „Supersoldiers - Die Wehrmacht im Urteil ausländischer Experten“, sowie die Hörbücher „Erinnerungen eines deutschen Luftwaffenoffiziers“ und „Kleine Odyssee - Der Luftangriff auf den Hafen von Piräus“.
Im zweiten Weltkrieg konnte er die jungen Flieger begeistern, die dann mit tiefer Gläubigkeit an den Wert ihres Einsatzes in den Kampf zogen. Hajo Herrmann war stets ein leuchtendes Vorbild für die deutsche Jugend, ein makelloser deutscher Offizier, aufopferungsvoller Kamerad, Kriegsheld, Kämpfer für Deutschland und ein glühender Patriot. Mit dem Tod eines der drei letzten Träger des Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern verlässt uns einer der höchst dekorierten Soldaten des zweiten Weltkriegs.
Auf eigenen Wunsch wird er auf See bestattet. Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei seiner Familie. Wir werden Hajo Herrmann nie vergessen. Ewig lebt der toten Tatenruhm!

Bilderquelle: wikipedia/Bundesarchiv, Bild 146-2005-0025/unbekannt/CC-BY-SA bearbeitet durch BfZ-Hildesheim