Henriks Welt

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Sagen >> „Min Laken!"
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Eine arme Tagelöhnerfrau, „ die nicht gut was liegen lassen konnte", hatte sich „Sprikholz" im Itzumerholze gesucht und kam mit ihrer Tracht spät Abends zurück. Schon als sie beim „Lichtenpahl" angekommen war, sah sie von fern auf einem Grabstackette des Neustädter Kirchhofs ein weißes Laken schimmern. Ei, denkt die Frau, das hat gewiß Jemand beim Trocknen hängen lassen, das kommt dir zu gut. Sie nimmt richtig das Laken mit und legt es, ohne ihrem Manne etwas davon zu sagen, in die Kammer. Um Mitternacht, als sie bei ihrem Manne und mitten unter ihren Kindern schlief, wird sie aufgerüttelt und eine drohende Stimme ruft ihr zu: Min Laken! Min Laken! Min Laken! — Die Frau ist halb tot vor Schreck und rührt sich nicht.

Da ruft es zum zweiten Male, und als die Frau noch keine Anstalt macht, das Laken zurückzugeben, da ruft es zum dritten Male mit so schrecklicher Stimme, daß die Frau zitternd und bebend aufspringt, das Laken ergreift und es in die Ecke wirft, aus welcher die Stimme kam. Aber die Stimme ruft noch drohender als zuvor: „Hoir hebbe ek niks verloren, bring' et hen, wo et her ekümen is!" — Da macht sich die Frau, während ihr Mann und ihre Kinder in festem Schlafe bleiben, auf, und trägt das Laken wieder zum Kirchhof auf das Grabstackett. Indem sie es aber wieder an seinen Ort hängt, kriegt sie eine Ohrfeige, daß ihr Hören und Sehen vergeht. Als sie endlich wieder zu sich kam, eilte sie krank nach Hause und starb drei Tage darauf, nachdem sie ihrem Manne zuvor erzählt hatte, was ihr begegnet war.

Quelle: Karl Seifart; Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim: Gesammelt u. mit Anmerkungen versehen, Band 2; Verlag Wigand, 1860; mit kleinen Änderungen zur besseren Lesbarkeit seitens der BfZ-Hildesheim; Bildquelle: www.flickr.com/rui moura

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