Henriks Welt

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Sagen >> Prallas und Top
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Brauchtum | >>Sagen<< | Hildesheim vor der Zerstörung

Am Hagentor standen früher die Steinbilder von Prallas und Kattenbrakk. Prallas war ein Bürgemeister in Hildesheim gewesen und hatte mit seinem Spießgesellen Kattenbrakk die Stadt verraten und den Feind zum Hagentor einlassen wollen. Die Verräter aber wurden an ihrem bösen Vorhaben gehindert und zur Strafe in eisernen Körben am Tor aufgehängt, wo sie sterben und verderben mußten. Als sie nun gestorben waren, stellte man zum ewigen Gedenken der Verräterei ihre Steinbilder auf der Stadtmauer am Hagentor auf. Da standen sie Jahrhunderte lang und wurden von den Kindern mit Steinen beworfen.

Auch liefen, so lange die Bilder standen, jedesmal am Karfreitagsmittag die Kinder der ganzen Stadt vor dem Hagentor zusammen, denn dann, hieß es, würden die Steingebilde Schlag zwölf Uhr auf eines Hahnenschrei's Länge lebendig und kehrten ihre sonst abgewandten Gesichter der Stadt zu. Ein ganz anderer Mensch, als dieser Verräter Prallas, war der gute Top, dessen Steinbild in einer Mauernische am Hagentor stand. Dieser Top war eines Büchsenmeisters Junge gewesen und hatte bei einer grausamen Belagerung den Stadtverteidigern mit größter Lebensgefahr so fleißig Kanonenkugeln zugereicht, daß es endlich gelang, den stürmenden Feind abzuschlagen. Zum ewigen Gedenken steht noch heute das Steinbild des kleinen Top im Garten des Arneken-Hospitals.

Quelle: Karl Seifart; Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim: Gesammelt u. mit Anmerkungen versehen, Band 2; Verlag Wigand, 1860; mit kleinen Änderungen zur besseren Lesbarkeit seitens der BfZ-Hildesheim; Bildquelle: www.flickr.com/tsla314

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