Henriks Welt

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Sagen >> Sagen und Wunder vom heiligen Konrad
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Vor uralten Zeiten lebte im Martinikloster ein gottseeliger Bruder Namens Konrad. Als dieser einst in der Stadt fromme Leute um Almosen für's Kloster ansprach, traf er auf ein Weib, welches einen Korb mit Eiern hatte fallen lassen und groß Jammer und Geschrei wegen der zerbrochenen Ware erhob. Da erbarmte den heiligen Konrad des Weibes und er machte mit seiner Wunderkraft die Eier wieder so heil und ganz, als ob sie eben der Henne entfallen wären.

Ein andermal hatte er mit noch einem Bruder im Stift gebettelt und wollte über Poppenburg nach der Stadt zurückkehren. Als die frommen Väter aber an die Leine kamen und die Schiffer baten, sie überzusetzen, weigerten sich diese gottlosen Menschen und sagten: Umsonst sei der Tod! Das Mönchsvolk dürfe ja kein Geld bei sich führen, und ohne Geld kämen sie nicht über's Wasser. — Da faßte sich der heilige Konrad einen frischen, frommen Mut, zeichnete sich und seinen Gefährten mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, trat mit ihm dreist auf das Wasser, und beide kamen trockenen Fußes über die Leine.

Wiederum einmal bettelte der fromme Mann mit einem Confrater (Bruder) auf einem Meierhofe bei Banteln. Des Meiers Frau aber war ein boshaftes, geiziges Weib; als sie die frommen Männer auf den Hof zukommen sah, bedeckte sie schnell ein Mandel Eier, welches sie eben auf einem Stuhle abgezählt hatte, mit einem Kissen und brachte auch alle anderen Esswaren auf die Seite. Der heilige Konrad trat ein, grüßte das mürrische Weib freundlich und setzte sich, da er sehr ermüdet war, auf den mit dem Kissen bedeckten Stuhl. Krach! brachen die versteckten Eier dem guten Pater unter den Lenden zusammen, und das Weib wurde rasend und wütend, hieß die frommen Väter unter den lästerlichsten Worten vom Hofe weichen und drohte die Hunde auf sie zur Hetze.

Da verließ Konradus eiligst mit seinem Confrater das Haus und vergaß seinen Rosenkranz, welchen er neben sich auf einen anderen Stuhl gelegt hatte. Als Konradus seinen Verlust bemerkte, bat er seinen Gefährten, in das Haus zurückzukehren und den vergessenen Rosenkranz zu holen. Dieser willfahrte seinem Bruder und ging zurück. Aber wie erstaunte er, als er weder Haus noch Hof wiederfand. Wo Haus und Hof gestanden hatte, war jetzt nichts zu sehen, als schwarzes Gewässer, in welches, Haus, Hof, Weib, Vieh und Geräte untergegangen war, nur ein einziger Stuhl schwamm noch auf dem Wasser und das war eben der, auf welchem der Rosenkranz lag. Langsam schwamm der Stuhl bis zu Konradus, der auf seines Bruders Schreckensruf auch herbeigeeilt war, heran, so daß er den Rosenkranz ohne Gefahr an sich nehmen konnte. Kaum hatte der Heilige seinen Rosenkranz genommen, als auch der Stuhl wie ein Stein in den Abgrund versank.

„Insonderheit ist merkwürdig", sagt eine Hildesheimische Chronik von unserm Konrad, „daß, weil er in seinem Leben viel zu Fuße gegangen, seine Seele hingegen bei Abscheidung von dem Körper, reitend auf einem weißen Roß zum Himmel aufgefahren ist."

Quelle: Karl Seifart; Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim: Gesammelt u. mit Anmerkungen versehen, Band 2; Verlag Wigand, 1860; mit kleinen Änderungen zur besseren Lesbarkeit seitens der BfZ-Hildesheim; Bildquelle: www.flickr.com/shandchem

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