Knochenhaueramtshaus
Das Knochenhaueramtshaus wurde im 16. Jahrhundert von der Fleischergilde erbaut. Daher stammt auch der heute fremdartige Name, welcher nichts weiter als „das Gilde- (Innungs-) haus der Fleischer“ heißt. Da die Knochenhauer zu dieser Zeit die wohlhabendste Handwerkerzunft waren, legten sie besonderen Wert auf die Größe und den Prunk ihres Hauses. So entstand der spätgotische Prachtbau im Jahre 1529, der an Verzierungen und Größe seinesgleichen sucht. Mit einer Höhe von 26 Metern überragt dieses Fachwerkhaus sogar das Rathaus der Stadtväter und symbolisiert so die Macht und das Ansehen, welches von dieser Zunft ausging. Die reichen, lebenslustigen Verzierungen des Gebäudes sind eine künstlerische Meisterleistung und dienten dem Repräsentationsbedürfnis der Knochenhauer.
Im Bereich des Erdgeschosses hatten die Metzger seiner Zeit ihre Stände aufgestellt und es wurde fleißig mit den Bürgern gehandelt, die sich zahlreich in der Diele und im Eingangsbereich drängten. Besonders günstig waren daher die vier großen Kellergewölbe, die als „natürlicher Kühlschrank“ der Lagerung des Fleisches dienten. Die mittleren Stockwerke waren den wohlhabenden Knochenhauern und Bürgern als Festsäle vorbehalten, um dort Tanzveranstaltungen oder Bankette abzuhalten. Ebenso wurden dort die Sitzungen der Gilde abgehalten. Der Dachstuhl des Knochenhaueramtshauses wurde zum Trocknen von Tierhäuten genutzt, die später gegerbt wurden und zur Herstellung von Lederwaren dienten.
Leider wurde das Knochenhaueramtshaus durch den Luftüberfall auf Hildesheim am 22. März 1945 vollständig zerstört. Die Hildesheimer konnten jedoch ihr Prachtfachwerk nie vergessen, und so wurde im Laufe der Jahre der Wunsch immer lauter, das Haus wieder aufzubauen. Im Jahr 1986 wurde mit dem Abriß des Hotels Rose begonnen, das an der Stelle nach dem Krieg erbaut wurde, wo einst das Knochenhaueramtshaus stand. Da man einen möglichst originalgetreuen Zustand des Fachwerks rekonstruieren wollte, verwendete man beim Wiederaufbau nach Möglichkeit alte Materialien, die aus weiten Teilen des Landes beim Abriß ähnlich alter Häuser zusammengesammelt wurden. So wurden Beispielsweise 150 Jahre alte Tonpfannen beim Bau des Dachs verwandt, die von alten Bauernhäusern gesammelt wurden. Dieses Unterfangen stellte sich als besonders schwierig da, da es allesamt unterschiedlich große Ziegel waren. Bis zur Fertigstellung wurden 400 Kubikmeter Eichenholz in 4.400 Verbindungen und 7.500 Holznägel verbaut. Als ein besonderes Hindernis stellte sich der 2,40 Meter hohe Vorsprung im obersten Geschoß heraus, der sich nur schwer mit den heutigen Bauvorschriften realisieren ließ.
Bei der Rekonstruktion des Knochenhaueramtshauses war für die Architekten eine besondere Schwierigkeit, daß man lediglich alte Photographien und Zeichnungen hatte, auf die man zurückreifen konnte.
Rückblickend kann man wohl sagen, daß es ohne das Engagement der Hildesheimer Bürger wohl nie einen Wiederaufbau gegeben hätte. Heute dient das Knochenhaueramtshaus als Restaurant. Dort lockt eine abwechslungsreiche, gutbürgerliche Küche die Besucher in das schönste Fachwerkhaus der Welt, an dem historischen Marktplatz zu Hildesheim.