Huckup-Denkmal
Wer einen Apfel klauen möchte, hat es schwer bei uns in Hildesheim. Dann kommt nämlich ein Kobold, springt einem auf die Schulter und haucht einem ein schlechtes Gewissen ein. Das soll zumindest einem Apfeldieb passiert sein, den der Dresdner Bildhauer Roeder in seinem Bronzedenkmal “Huckup” in der Fußgängerzone verewigt hat.
Die Sage zum Huckup in Hildesheim lautet wie folgt:
Man hat dann recht, wenn man sagt: "Die Nacht ist keines Menschen Freund". Aber am hellen Mittag ist's auch nicht sauber, wenn man ganz allein im Holze ist, und ringsumher ist alles totenstill.
Da ist es einmal einem Manne aus Söhre übel ergangen. Der suchte Heidelbeeren im Ziegenberge und legte sich gegen Mittag, als alle anderen, die mit ihm ausgezogen, schon wieder nach Söhre heruntergegangen waren, unter einem großen Baum zum Schlafen nieder. Wie er eben die Augen zudrücken will, ruft es hinter ihm: "Hoho, hoho!" Erschrocken springt der Mann auf, sieht sich nach allen Seiten um und erblickt außer den summenden Bienen und Käfern ringsumher kein lebendiges Wesen. Nur oben in der höchsten Spitze des Baumes saß ein schwarzer Rabe, der war wohl so groß wie eine Gans, und starrte mit so grimmigen Augen auf den Mann, daß diesem ganz ängstlich ums Herz wurde. "Ei, du Teufelsvieh", schimpfte der Mann, "du sollst mich doch nicht länger in meinem Schlafe stören", hob einen Stein auf und warf ihn nach dem dunklen Vogel. Da flog der Rabe mit lautem Gekrächze davon, und der Mann legte sich wieder zum Schlafen nieder.
Kaum aber hatte er ein Auge zugedrückt, da rief es wieder hinter ihm: "Hoho, hoho!" Der Mann fuhr auf und griff wieder nach einem Stein; aber da war kein Rabe zu sehen; die heißen Sonnenstrahlen schienen so matt durch das von keinem Lüftchen bewegte Laub, und es wurde recht grausig an dem Orte. Da dachte der Mann: Hier ist nicht gut sein, betete und machte sich auf den Weg nach Söhre. Aber eben hatte er ein paar Schritte getan, als ihm etwas mit dem Geschrei "Hoho, hoho!" auf den Nacken sprang. Der Mann rüttelte und schüttelte sich, um die Last loszuwerden, aber vergebens; wie ein Mehlsack hing es ihm auf den Schultern, und im Angstschweiß keuchend schleppte er sich mit seiner schweren Last mühsam den Waldweg entlang. Endlich war der Waldrand erreicht, die goldenen Kreuze der Stadt- und Dorfkirchen blinkten dem Geplagten entgegen, und plumps! - fiel es ihm von den Schultern.
Was es aber gewesen ist, das der Mann schleppen mußte, das hat er nicht gesehen, denn er hütete sich wohl, sich umzugucken, sondern lief spornstreichs auf Söhre zu. Und das war sein Glück; denn der Huckup war's gewesen, ein böser Geist und wem der auf dem Nacken sitzt, der muß vorwärts, solange er kann oder solange es dem Geist gefällt, und wer sich nach ihm umsieht, dem bricht er das Genick. Das hat schon mancher Dieb erfahren müssen, dem plötzlich in einer stillen Mittagsstunde der Huckup auf den Rücken sprang und dann den Hals umdrehte.
Und deshalb sind folgende warnende Worte auf dem Denkmal zu lesen:
Junge, laat dei Appels staan,
süs packet dek dei Huckup an!
Dei Huckup is en starken Wicht,
höllt mit dei Steeldeifs bös Gericht!