

Seit vielen tausend Jahren wird in der nordischen Welt, am längsten Tag des Jahres, das Fest der Sommersonnenwende gefeiert. Schon immer wurde das Leben der Völker Nordeuropas von den Jahreszeiten bestimmt, auf die sich die Menschen vorzubereiten hatten. Ohne eine genaue Planung des Jahreslaufs, ohne Vorratshaltung und Vorbereitung auf die harte Winterzeit, wäre ein Leben in unseren Breiten nicht möglich gewesen. In unserer modernen und oberflächlichen Zeit mag es vielen vorkommen, als seien wir heute nicht mehr an diesen Jahreslauf gebunden, hat man doch im Winter die Heizung und steht doch das tägliche Brot im Regal des Supermarkts um die Ecke.
Doch gerade in dieser Zeit, in der politische und wirtschaftliche Entscheidungen sich sträflich gegen alles Althergebrachte wenden, bedarf es der Rückbesinnung auf unsere ureigensten Wesenszüge. Ist es wirtschaftlich und moralisch vertretbar, den landwirtschaftlichen Ertrag eines Gebietes von der Größe Belgiens zu verbrennen, um den Bioanteil im Kraftstoff um 5% zu erhöhen? Ist es zu vertreten, dass durch artfremde Ernährung von Tieren Keime entstehen, die Menschen beim Verzehr von Gemüse schwer schädigen oder sogar töten?
Gerade in dieser gewissenlosen Zeit ist es nötiger denn je zuvor, sich auf das Wesentliche im Leben zu besinnen. Die Sonnenwenden sind Feste, die vom Leben unserer Ahnen erzählen, vom sorgsamen Umgang mit der Natur, dem ewigen Werden und Vergehen des Menschen und der daraus entstehenden Verpflichtung für uns alle. Obwohl vielfach bekämpft brannten in diesem Jahr überall in Deutschland Sonnenwendfeuer, unter anderem auch im niedersächsischen Eschede.
Dort versammelten sich zunächst 90 Linksextremisten, Gewerkschafter und Prediger, um mit ihrem gemeinsamen Ansinnen „das Sonnenwendfeuer zu löschen“, „die Sonnenwende zum Desaster zu machen“ oder „den Na(ht)zihof auszumisten“, wie in den vorangegangenen Jahren kläglich zu scheitern. Nachdem wieder nichts gelöscht und ausgemistet war und das einzige Desaster ihre eigene Kundgebung ohne Außenwirkung auf einer Landstraße war, trollte sich der kuriose Haufen gegen 17.15 Uhr.
Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits viele Teilnehmer der Sommersonnenwende auf dem landwirtschaftlichen Anwesen versammelt, deren Anzahl sich im Laufe des Nachmittags auf rund 160 und im Verlauf des Abends auf etwa 200 erhöhte.
In den Nachmittagsstunden begeisterten sich die Besucher am Kaffee- und Kuchenstand der Düütschen Deerns, am rauchenden Grill der Snervern Jungs oder besuchten zwei Stände, an denen neben T-Hemden, CDs und Schmuck auch germanische Gewandungen zu erwerben waren. Später wurden dann die Spiele eröffnet, in denen sich sowohl die anwesenden Damen und Herren in den Disziplinen Teebeutelweitwurf, Baumstammweitwurf, Eierhindernisslauf, Tauziehen, Baumstammringen und verschiedenen Wissensquiz messen konnten.
Im Anschluss an die Spiele begann der offizielle Teil, die eigentliche Sonnenwende. Hierzu nahmen die Teilnehmer in Zweierreihen Aufstellung, um in einem langen Fackelzug, angeführt durch drei Trommler auf die Feuerstelle zu zu marschieren; der Fackelzug teilte sich und umkreiste die Feuerstelle. Aufgrund behördlicher Repression wurde im Vorfeld der diesjährigen Sonnenwende das Abbrennen eines großen Sonnenwendfeuers untersagt, da man einen entsprechenden Passus in die Gemeindeordnung aufgenommen hatte. Doch wie so oft entwickelte sich auch hier aus der Not des Verbots eine Tugend, die durchaus auch ihre guten Seiten hatte.
So standen diesmal fünf kleinere Feuerstöße bereit, wobei vier der Stöße die verschiedenen Himmelsrichtungen widerspiegelten und der Verbliebene in der Mitte dazwischen Platz fand. Passend dazu waren auch fünf Redner teil der Zeremonie, welche auf die Wichtigkeit des Brauchtums der Sonnenwende eingingen, von der Geschichte, dem Kampf unseres Volkes erzählten und die Gemeinschaft auf eine Deutsche Zukunft einschworen. Zwischen den Reden wurden zu überlieferten Feuersprüchen die vier Feuerstöße entzündet. Gemeinsam wurden zwei Lieder, unter anderem das Lied „Flamme empor!“ gesungen. Zum Ende des offiziellen Teils bedankte sich ein Redner im Namen der Gemeinschaft bei unserem Gastgeber, welcher wieder keine Mühen gescheut hatte dieses Fest zu ermöglichen. Die Teilnehmer der Sonnenwende entfachten schließlich gemeinsam mit ihren Fackeln das fünfte Feuer und beendeten somit eine wirklich gelungene Feier.
Bevor der traditionell gemütliche Teil begann, gab es noch die Siegerehrung der vorangegangenen Spiele; hierbei bekamen die jeweils besten drei Männer und Frauen aus allen Disziplinen Preise überreicht. Im Anschluss wurde bei Met und Bier mit dem anwesenden Balladenspieler Volkslieder gesungen und bis in den Morgen hinein gefeiert und gelacht. Auch der einsetzende Regen konnte der Stimmung keinen Abbruch tun, da in dem großen, geschmückten Festzelt für alle ein trockener Platz war.

Bilderquelle: Mit freundlicher Genehmigung der Düütschen Deerns; Aus Erfahrung an den Fernsehsender SAT1: Sie haben keine Urheberrechte an diesen Bildern!