Henriks Welt

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Sagen >> Weiße Jungfrau.
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Brauchtum | >>Sagen<< | Hildesheim vor der Zerstörung

Es sind kaum zwanzig Jahre her, als ein Junge von der Winzenburger Glashütte, der im Walde auf einem hohen Baume dürres Holz brach, eine weiße Jungfer von der „ Schanze" herabsteigen sah, und kaum hatte er sie erblickt, als sie auch schon dicht neben ihm auf den Zweigen saß. Sie reichte dem Jungen drei knospende Nosenzweige und sprach: Pflanze diese Knospen und komm morgen wieder an diese Stelle, dann sollst du mich durch 'einen Kuß aus einer hundertjährigen Gefangenschaft erlösen und es soll dein Glück sein. Damit verschwand die Jungfer. —

Der Junge lief ganz voll von dem was er gehört und gesehen zu Haus und brachte das ganze Dorf in Aufruhr. Pastor und Schulmeister meinten, der Junge sei ein Lügner, und straften ihn mit einem derben Haarzauser. Allein der Junge blieb bei seiner Aussage und am folgenden Tage zog das ganze Dorf mit ihm zu Holze nach der bezeichneten Stelle. Es war aber keine weiße Jungfer zu sehen, doch wollen einige ein behaartes Unding am Baume gesehen haben, welches verschwand, als die vielen Leute näher kamen.

Quelle: Karl Seifart; Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim: Gesammelt u. mit Anmerkungen versehen, Band 2; Verlag Wigand, 1860; mit kleinen Änderungen zur besseren Lesbarkeit seitens der BfZ-Hildesheim; Bildquelle: www.flickr.com/s1311

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