Henriks Welt

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Liedgut >> Wer recht in Freuden wandern will
Emanuel Geibel, 1839 (1815-1884)


1. Wer recht in Freuden Wandern will
Der geht der Sonn' entgegen
Da ist der Wald so kirchenstill
Kein Lüftchen mag sich regen
Noch sind nicht die Lärchen wach
Nur im hohen Gras der Bach
Sing leise den Morgensegen.


2. Die ganze Welt ist wie ein Buch
Darin uns aufgeschrieben
In bunten Zeilen manch ein Spruch
Wie Gott uns treu geblieben.
Wald und Blumen nah und fern
Und der helle Morgenstern
Sind Zeugen von seinem Lieben.


3. Da zieht die Andacht wie ein Hauch
Durch alle Sinne leise
Da pocht ans Herz die Liebe auch
In ihrer stillen Weise.
Pocht und pocht bis sich's erschließt
Und die Lippe überfließt
Von lautem jubelnden Preise.


4. Und plötzlich läßt die Nachtigall
Im Busch ihr Lied erklingen;
In Berg und Tal erwacht der Schall
Und will sich aufwärts schwingen.
Und der Morgenröte Schein
Stimmt in lichter Glut mit ein:
"Laßt uns den Herrn lobsingen.


5. "Der Spieß, der hat ein dickes Buch,
Darin ist aufgeschrieben:
Wer seine Stiefel nicht geputzt
Und wer vom Dienst geblieben;
Noch ist nicht der Hauptmann wach,
Und der Spieß, der schlägt schon Krach,
Das ist unser Morgensegen!

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